Tagebuch
30. Juli
Stühlenhütte (Hinterheubronn) – Lörrach · 30,4 km
Diese Nacht war nicht die erholsamste der gesamten Tour, doch wir hatten einen trockenen Schlafplatz. Als Marcel morgens die Hütte verließ, staunte er nicht schlecht: Vor ihm stand eine Wandergruppe, bereit für ihren Tagesausflug. Als sie bemerkten, dass wir hier übernachtet hatten und auch der Student aus der Hütte kroch, waren sie völlig baff – offenbar konnten sie kaum glauben, dass es wirklich Menschen gibt, die Schutzhütten als Übernachtungsplatz nutzen.
Wir kochten unseren Morgenkaffee, frühstückten und machten uns auf den Weg. Es war der letzte Tag auf dem Westweg, und wir waren bereits ein wenig traurig, dass dieses Abenteuer nun zu Ende ging. Doch vor uns lagen noch einige Kilometer.
Der Weg führte auf einem schmalen Pfad entlang des Weiherfelsens, bevor der Aufstieg zum Blauen (1.195 m) begann. Den Aussichtsturm und den Fernmeldeturm konnten wir schon von Weitem erkennen. Damit hatten wir auch den letzten Gipfel des Westwegs erreicht. Wir machten unsere Fotos und zogen weiter, da sich das Gasthaus im Umbau befand und geschlossen war.
Ab jetzt ging es nur noch bergab. Der Weg führte vorbei am Hexenplatz, an dem sich übrigens eine sehr schöne Schutzhütte befindet. Uns begegneten zahlreiche LKWs, die Holz abtransportierten. Die Burgruine Sausenburg ließen wir links liegen – Regina stieg lediglich ein paar Stufen hinauf, um ein gutes Foto der Ruine zu machen.
Es folgte eine weitere liebevoll gestaltete Schutzhütte, bei der man den Erbauern die Mühe deutlich ansah. Kurz darauf verließen wir den Wald und erblickten in der Ferne bereits Kandern. Im Ort legten wir eine kurze Pause am Supermarkt ein, machten uns dann aber gleich wieder auf den Weg.
Nach Kandern führte der Westweg durch die Wolfsschlucht. Wir waren begeistert von den Felsformationen und den engen Durchlässen und gingen diesen Abschnitt bewusst langsamer. Das war wieder einer der Momente, mit denen man nicht gerechnet hatte. Danach verließen wir erneut den Wald, und der Weg führte durch Hammerstein.
Auf Schotterwegen wanderten wir weiter durch Obstwiesen, bald folgten die ersten Weinberge. Wir genossen traumhafte Ausblicke ins Markgräflerland und hatten bereits erste Blicke auf Basel in der Schweiz. Wir passierten das letzte kleine Dörfchen Wollbach, bevor der Weg noch einmal in einen Wald führte.
Nicht lange danach erreichten wir die Burgruine Rötteln. Diese sollte unser Ziel sein, denn wir entschieden uns bewusst dagegen, bis nach Basel weiterzulaufen. In diesem Jahr gab es auf deutscher Seite verstärkte Grenzkontrollen, und wir hatten keine Lust auf solch eine Kontrolle. Dass die letzten Kilometer nicht so interessant sind hat bei der Entscheidung natürlich auch geholfen.
So tranken wir unser „Weg-geschafft-Bier“ im Garten der Burgruine und holten uns den letzten Stempel am Portal unterhalb der Ruine. Von Lörrach aus wollten wir mit dem Zug in Richtung Heimat fahren, also mussten wir uns beeilen, um rechtzeitig die S-Bahn zum Hauptbahnhof zu erreichen.
Am Portal verabschiedeten wir uns schließlich vom Westweg – einem unglaublich schönen und abwechslungsreichen Fernwanderweg. In Lörrach angekommen, schafften wir es gerade noch trocken in den Regional-Express, bevor erneut heftige Gewitter einsetzten.
Auf der Heimfahrt sprachen wir lange über den Weg, über die vielen besonderen Momente und über all die fantastischen Menschen, denen wir auf unserer Reise begegnet waren.
Ende





























