Tagebuch

29. Juli

Todtnauer Hütte (Feldberg) – Stühlenhütte (Hinterheubronn) · 31,4 km

Am Morgen trafen wir uns noch einmal am Frühstücksbuffet, danach trennten sich unsere Wege. Unsere Tischnachbarn setzten ihre Westweg-Tour mit dem Bike fort, während wir unsere Rucksäcke für den Abstieg packten. Bei gerade einmal 7 Grad war es an diesem Morgen ziemlich frisch, und Regina hatte nur kurze Hosen dabei. Der erste Schritt vor die Tür war daher mit kurzem Zähneknirschen verbunden.

Da die Todtnauer Hütte nicht direkt am Westweg lag, mussten wir zunächst zurück zum eigentlichen Weg laufen. Auch an diesem Morgen hatten wir keinerlei Aussicht, denn die Wolken hatten den Gipfel komplett eingehüllt. Das Ganze wirkte fast mystisch – genau so, wie man sich den Schwarzwald aus alten Gruselgeschichten vorstellt. Das Heidekraut stand in voller Blüte, und Regina erfreute sich besonders an den vielen Blumen.

Bald erreichten wir die längste Bankliege auf dem Kamm des Stübenwasen (1.386 m). Im weiteren Abstieg war ein Teil des Westwegs gesperrt, sodass wir einer Umleitung folgen mussten. Nach und nach besserte sich das Wetter, und Nebel sowie Wolken verzogen sich langsam. Endlich hatten wir wieder etwas mehr Weitsicht.

Am Nordic-Center am Notschreipass konnten wir einige Langläufer beim Training beobachten. An der Passhöhe angekommen, querten wir die Straße und gelangten in ein kleines, idyllisches Tal. Der Anstieg zum Trubelsmattkopf war noch einmal kurz, und wenig später erreichten wir über freie Wiesenhänge das Wiedener Eck.

Dort holte sich Regina wieder ihren Stempel am Portal. Eigentlich wollten wir hier unsere Mittagspause verbringen, doch der Gasthof hatte an diesem Tag geschlossen. So machten wir nur eine kurze Rast und setzten unseren Weg in Richtung Belchen fort.

Vom Wiedener Eck wanderten wir auf schmalen Pfaden durch den Bergwald, und bald begann der Aufstieg auf den Gipfel des Belchen (1.414 m). An einigen Stellen kribbelte es leicht im Bauch, da dieser Berg zu den alpineren Anstiegen des Westwegs zählt. Oben angekommen wurden wir jedoch mit einer grandiosen Aussicht belohnt: Der gesamte südliche Schwarzwald lag vor uns, die Wolken hatten sich verzogen, und wir konnten sogar bis in die Alpen blicken.

Völlig ausgehungert stürmten wir das Belchenhaus, das seit 1898 das höchstgelegene Gasthaus Baden-Württembergs ist, und gönnten uns eine ausgiebige Mittagspause – inklusive Gipfelbier. Die Wirtin des Hauses war etwas genervt, als Regina die Bestellung an der SB-Theke aufgeben wollte, sie hatte sich nicht die Tisch-Nr. gemerkt. Tipp für alle Gäste: Bitte Tisch-Nr. für die Bestellung merken, sonst bekommt ihr nichts 😊

Der anschließende Abstieg hatte es ebenfalls in sich, und bei Regina meldete sich kurz die Höhenangst. Doch sie meisterte den Abstieg, vermutlich auch dank der spektakulären Ausblicke ins Kleine und Große Wiesental. Einige exponierte Stellen am Steilhang des Hohen Kelch waren glücklicherweise mit Geländern gesichert.

Nach dem Abstieg erreichten wir über breite Waldwege das kleine Örtchen Hinterheubronn. Im Berggasthof Haldenhof gönnten wir uns eine kühle Erfrischung, bevor wir uns weiter auf den Weg zu unserem Tagesziel machten. Der kurze Anstieg bis zum Parkplatz forderte uns noch einmal, doch die wunderbaren Ausblicke ins Tal und die umliegende Landschaft entschädigten für alle Mühen.

Am Klemmbach filterten wir noch Wasser für unser Abendessen und erreichten schließlich am späten Abend unsere Schutzhütte, die Stühlenhütte. Wir kochten unser Drei-Gänge-Menü aus Chips, einem Knorr-Fertiggericht und einem Schokoriegel als Dessert. Marcel hatte dem Wirt vom Haldenhof sogar noch eine Flasche Wein abgekauft – damit war unser perfektes Dinner mitten im Wald komplett.

Wir freuten uns schon, als nach Einbruch der Dunkelheit kein weiterer Wanderer mehr auftauchte, doch die Freude währte nicht lange: Nach 21 Uhr kam noch ein junger Student, der ebenfalls die Hütte als Übernachtungsplatz gewählt hatte. So wurde es kuschelig zu dritt in der Hütte.