Tagebuch

28. Juli

Titisee – Todtnauer Hütte (Feldberg) · 18,7 km

Unser Aufenthalt im Seehotel war viel zu schnell vorbei. Die Auszeit hatte uns jedoch gutgetan und war genau richtig gewesen, um neue Energie zu sammeln – vor allem mit Blick auf den bevorstehenden Aufstieg zum Feldberg.

Das Einzige, was an diesem Tag nicht mitspielte, war das Wetter. Bei leichtem Regen machten wir uns auf den Weg und nahmen alles, was kommen sollte, mit Humor. Der Weg begann direkt vor unserem Hotel. An dieser Stelle konnte man sich für die West- oder Ostvariante des Westwegs entscheiden. Wir hatten uns bereits vor unserer Wanderung für die Westvariante entschieden.

Zunächst führte der Weg zum Ufer des Titisees und entlang der Strandpromenade. Am Ortsausgang ging es dann wieder hinauf in den Wald. Schon während des Anstiegs hatten wir nochmals traumhafte Rückblicke auf den Titisee.

Bald erreichten wir die Keßlerhöhe (1.017 m). Von dort war es nicht mehr weit bis zum Turm der berühmten Adlerschanze oberhalb von Hinterzarten. Vom Scheibenfelsen führte ein schmaler Pfad steil hinab nach Oberzarten.

Von Oberzarten folgte der Westweg dem idyllischen Zartenbachtal. Am Mathisleweiher hielten wir kurz inne, da dieser wirklich sehr schön war. Dort trafen wir auch einen anderen Westweg-Wanderer, der sich trotz des Regenwetters hinausgewagt hatte.

Wir passierten einen Bauernhof mit einem liebevoll angelegten Getränkebrunnen. Wie schön wäre hier eine Rast gewesen – doch bei dem Regen machte das wenig Spaß. Im Wald kamen wir an mehreren Bächen vorbei. Aufgrund der starken Regenfälle vom Vortag schossen große Mengen braunes Wasser die Hänge hinunter.

Auf einer Lichtung entdeckten wir eine neu gebaute Rufenholzhütte und legten dort eine längere Pause ein. Wir machten es uns mit einem wärmenden Kaffee gemütlich, hängten unsere nasse Kleidung zum Abtropfen auf und zogen Wechselkleidung an. Auch andere Wanderer nutzten diese Hütte für eine kurze Rast.

Nach der langen Pause setzten wir unseren Weg fort. Von einer breiten Forststraße wechselte der Pfad in einen schmalen Steig durch dichten Wald. Bald verwandelte sich der Weg selbst in einen kleinen Bach, da der Regen direkt darüber ablief. Es war eine regelrechte Regenschlacht am Berg, unsere Schuhe und Füße waren längst völlig durchnässt. Leider verpassten wir dadurch auch den Ausblick auf den Feldsee.

Oberhalb der Waldgrenze stieg der Weg durch das Grüble in den weiten Sattel zwischen dem Seebuck zur Linken und dem Feldberg-Gipfel (1.495 m) zur Rechten. Wir waren fast oben – auf dem höchsten Punkt des Westwegs.

Am Gipfel angekommen sahen wir allerdings nichts: Weder der Feldbergturm noch die Wetterradaranlage Friedrich-Luise-Turm waren zu erkennen. Kein Blick ins Tal, keine Sicht auf die Alpen. Schade, dass wir ausgerechnet hier solches Wetter erwischt hatten. Wir machten dennoch schnell unser Gipfelfoto und stiegen anschließend zur Todtnauer Hütte ab, unserer Unterkunft für die Nacht.

Als wir den Gastraum betraten, hatte der Hüttenwirt bereits den Kamin angeheizt. Wir setzten uns sofort davor und stellten unsere Schuhe zum Trocknen daneben – was für eine wunderbare Überraschung. Die Hütte verfügte sogar über eine Sauna, sodass wir uns richtig aufwärmen konnten.

Am Abend bekamen wir leckeres Hüttenessen und waren sehr froh, diese Unterkunft gebucht zu haben. Mit unseren Tischnachbarn entwickelten sich so gute Gespräche, dass wir bis spät in die Nacht hinein zusammensaßen und uns kaum trennen konnten. Was für ein Tag!