Von Tehachapi nach Lake Isabella

13.–15.5. (Tehachapi)

In Tehachapi bewegten wir uns nur für das Nötigste: Resupply im Walmart, zum UPS, um unsere neuen Schuhe abzuholen, und in die nächsten Restaurants, um was zu essen. Frühstück (wenn man es so nennen will) gab es im Hotel. Ansonsten war extremes Ausruhen im Bett oder Entspannen im Whirlpool unser Tagesprogramm.

Am 15. sind wir dann gemütlich gegen halb 8 aufgestanden und haben angefangen zusammenzupacken. Regina hat noch am „Frühstücksbuffet“ Kaffee und Saft geholt, das richtige Frühstück war in der deutschen Bäckerei geplant. Ausgecheckt, Wasser nachgekauft und ab zu Kohnen’s Bakery… lecker, aber auch teuer. Kurz darauf war Keith schon da, um uns und drei weitere Hiker an den Trail zurückzubringen. Auch wieder ein krasser Typ… als Rentner daheim sein will er nicht, daher hat er sich ein neues Auto gekauft und für uns Hiker hergerichtet. Er begleitet den Trail jetzt für 8 Monate in Etappen. Er bereitet Trail Magic vor und fährt uns in die bzw. aus den Orten. Alles aus seiner eigenen Tasche, nicht einmal Spenden nimmt er an.

Um ca. 12 Uhr waren wir dann wieder am Trail. Regina parkte ihren Rucksack erfolgreich in einem unachtsam in die Ecke geschissenen Haufen. Shit can happen. So liefen wir dann erst mal am Highway entlang (diesmal ohne Magen-Darm wie vor 5 Jahren). Hier war es noch schön sonnig, fast heiß. Nach 2 Meilen ging es dann richtig bergauf. Während der Fahrt wurde was von Wind und Hurricane erzählt… nicht so viel dabei gedacht, aber als wir weiter oben waren und einen kleinen Übergang/Grat überquerten, wusste Marcel, was wohl gemeint war. Ohne Stöcke hätte es ihn umgehauen.

Auf dem Weg nach oben hat noch jemand zu unserer Freude ein paar Getränke geparkt. Juhu, Feierabend-Drinks! Die Landschaft ging von trister Wüste wieder ins Grün über und der Weg war auch recht gut zu gehen… was wir von unseren neuen Schuhen nicht so behaupten können. Upgrades sind halt doch nicht immer das Wahre. Ganz oben angekommen pfiff der Wind immer noch, also gingen wir noch ein Stück. Als wir uns für ein Camp entschieden hatten und im Zelt saßen, drückte der Wind unser Zelt so hart zusammen, dass wir noch mal umzogen. Zweimal Zelt aufbauen… juhu! Zudem spannten wir diesmal auch zwei Abspannseile extra. Kurz noch mit dem bisschen Netz, das da war, den Wetterbericht gecheckt…. Super, mindestens 2 Tage Sturmwarnung… 40 mph normal und 70 mph stoßweise… Das wird bestimmt eine Traumnacht.

14,4 Meilen

16.5.

Ja, so eine Nacht hatten wir tatsächlich noch nicht auf dem PCT. Marcel konnte kaum schlafen, das Zelt schüttelte die ganze Nacht. Wir waren froh, dass es gehalten hat. Es wehte auch die ganze Zeit so viel Sand und Staub rein, dass wir uns entschlossen hatten, den Schlafschal als Schutz über den ganzen Kopf zu ziehen. Das war lustig. Bei dem Wind dann das Zelt zusammenpacken – wir schafften es, ohne dass etwas davonflog.

Die ersten 2,7 Meilen zum nächsten Wasserspot waren schnell gelaufen. Dort trafen wir ein älteres Ehepaar aus Portland und auch Niz kam dazu. Wasser mussten wir für 20 Meilen aufladen. Es gab an diesem Tag kein weiteres Wasser. Jeweils ca. 3 Liter aufsatteln – war der Rucksack schwer! Der Weg war zum Glück etwas besser zu laufen und so hielten wir den ständigen Windböen stand. Nach 7 Meilen kurze Pause und Frühstück. Die Windräder waren hier auch noch sehr präsent, und so hatten wir die steinige Cowboy-Landschaft und die Windräder.

Zu Mittag trafen wir alle Hiker des Tages wieder und die Hälfte stoppte dort. Für uns hieß es noch weitere 10 Meilen bis zum nächsten Wasser. Regina hatte mittlerweile starke Schmerzen an den Füßen. Die neuen Schuhe drückten ihr gegen die Knöchel und mussten am Ende dreimal getapet werden. Selbst Niz half mit. Spät gegen 19 Uhr kamen wir am Zeltplatz mit Wasser der Robin Bird Spring an.

23 Meilen

17.5.

Heute hatten wir es gemütlich angegangen. An unserem Platz war es windstill und daher konnten wir richtig gut (aus)schlafen. Als wir aus dem Zelt kamen, waren die meisten anderen schon unterwegs. Mit dem bisschen Netz, das wir fanden, bestellten wir gleich andere Schuhe für Regina.

Auf den ersten Meilen machten sich Reginas Schuhprobleme sichtlich bemerkbar. Mit einer verpackten Kompresse polsterten wir ihren richtigen Problemfuß und den anderen mit einer Einlage. Nach einer weiteren Einlaufphase ging es dann wieder richtig flott vorwärts. Am letzten Wasser machten wir dann auch unser zweites Frühstück. Hier trafen wir dann auch wieder auf Niz. Die ersten 10 Meilen wirkten wie eine Vorschau auf die Sierra. Traumhaft… Die kühlen Temperaturen machten das Laufen auch angenehm.

Unsere Mittagspause machten wir am ersten von zwei Water Caches, ohne die ein Laufen fast nicht möglich wäre. Wir füllten Wasser auf, da es bis morgen Vormittag kein Wasser mehr auf dem Weg gab. Der Aufstieg führte noch einmal durch Felder von Joshua Trees. Als wir an unser geplantes Camp kamen, pfiff da so der Wind, dass es uns fast umhaute. Also weiter… In einem windgeschützten Bereich am Wegesrand bauten wir unser Camp dann auf und verkrochen uns sofort ins Zelt.

21,5 Meilen

18.5. (Lake Isabella)

Zum Glück blieb unser Platz windfrei in der Nacht und wir konnten super schlafen. Irgendwie steckt uns im Moment die Müdigkeit in den Knochen und wir hatten wieder so unsere Probleme damit, flott auf die Piste zu kommen. Als wir fast eingepackt waren, kam Niz vorbeigelaufen… diese Frühaufsteher! 😅

An den ersten Metern sah man schon: Reginas Fuß hat keinen Bock. Sie lief ihn zwar noch weich, aber richtig rund sah die Sache nicht aus. Nach 5 Meilen kam dann auch wieder der kräftige Wind dazu. Am zweiten Water Cache wurde klar: Der nächste Aufstieg wird zum Problem. Während wir noch überlegten, was wir machen sollen, wenn man am Arsch der Welt ist, fuhr der Trail Angel des Water Caches vor. Bei ihm waren die Kanadier, ebenfalls mit Fußproblemen. Er brachte frisches Wasser, Sodas und Burritos.

Regina fragte, ob wir mit nach Lake Isabella fahren könnten, und ja, wir konnten! Wenn Regina nur so viel Glück im Lotto hätte… Wir hatten uns ja schon die ganze Zeit gefragt, wie man diese Dirt Roads voller Krater und Felsen überhaupt befahren kann… wir waren jetzt live dabei. Hammer, wir selbst würden uns da sehr schwertun. 🤣 In Lake Isabella checkten wir im Kern Motel ein. Für eine Nacht muss man das mal gemacht haben. Super freundlicher Besitzer/Betreiber! Ein Kommentar zum Motel in unserer Wander-App: Wenn du ein Motel a la „Pulp Fiction“ suchst, hier ist es.

8 Meilen

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