Mojave Wüste & Ende Sektion Südkalifornien

10.5.

Um halb 6 schweren Herzens aufgestanden und zur Belohnung einen Hammer-Sonnenaufgang bekommen. Camp abgebaut und zum Trail zurückgelaufen. Die Landschaft heute wechselte von Sträuchern in der Wüste zu grünen Wiesen und Wäldern. Der Abstieg selbst war auch recht angenehm und schnell gelaufen. Nach der Mittagspause an einem Bach machten wir uns mit kalten nassen Longsleeves auf den vermeintlich leichten Restweg bis Hikertown… wäre es nicht so heiß gewesen. 35 °C im Schatten (ohne Schatten) und ein stetiges Bergauf und Bergab.

In Hikertown stellten wir unsere Rucksäcke ab und ließen uns zum Kleinmarkt bringen. Dort bestellten wir uns erst mal einen Iceshake und Cola. 2 Liter später fühlten wir uns wieder aufgefüllt. Auf die Rückfahrt mussten wir länger warten als geplant, die Shop-Besitzerin erledigte vorher ihre Bestellungen. Gut, längere Pause… Um 18 Uhr gingen wir wieder weiter, raus Richtung Mojave-Wüste bzw. das Los-Angeles-Aquädukt. Stop… mitten auf dem Weg eine Klapperschlange. Als sie uns bemerkte, schlängelte sie sich schon von uns weg. Wahnsinn, wie viele Klapperschlangen dieses Jahr zu sehen sind.

Ein paar Meter weiter stolperte Regina und fiel auf den Boden. (Habt ihr schon mal einen Baum fallen sehen? So sah es aus). Autsch, zum Glück ist nichts Schlimmes passiert. Eine Schürfwunde am Knie und ein blauer Fleck am Oberschenkel. Wir gingen weiter und tankten an einem Wasserhahn nochmal auf. In der Ferne konnten wir erkennen, dass ein Auto am Weg stand und die anderen Hiker dort stehen blieben. Eine Trail Magic. Santa aus Los Angeles ist die 90 Meilen hierher gefahren und hat uns mit allem versorgt, was man sich vorstellen kann. Mittlerweile ging die Sonne in der Wüste unter und der Sonnenuntergang war einfach nur spektakulär. Wir mussten weiter, verabschiedeten uns und zogen weiter. Nach einigen Meilen wurde es dunkel und wir liefen mit der Stirnlampe weiter. Der Sternenhimmel war komplett klar zu sehen. Um 22 Uhr war Schluss. Regina meldete Feierabend und wir suchten uns einen Platz neben der Straße und schlugen das Zelt auf für einen kurzen Schlaf.

Meilen 28,9

11.5.

Die Nacht war kurz. Den Wecker hatten wir auf 3:30 Uhr gestellt. Um der Sonne zu entfliehen, standen wir früh auf. Regina hatte fast keinen Schlaf. Kaum eingeschlafen, stoppte ein Trail Angel vor unserem Schlafplatz und gab einem anderen Hiker eine Magic. Diese waren so laut, da war der Schlaf vorbei. Wir packten zusammen und liefen im Dunkeln los. Regina bemerkte, dass in der Nacht ein Tier sich an ihren Wanderstöcken zu schaffen gemacht hatte. Die Schlaufe war komplett abgebissen und im Schaum waren Löcher. Böses Nagetier 🙁 .

Der Weg war immer noch auf dem Aquädukt und ging flach weiter. Die ersten Sonnenstrahlen erreichten das Tal und um 5 Uhr hatten wir schon 23 Grad. Ab jetzt wird es heiß. Ein Stückchen weiter konnten wir etwas am Wegesrand erkennen. Eine weitere Trail Magic. Wir setzten uns und aßen Cookies und tranken ein kaltes Gatorade. Bald waren die ersten Windräder zu sehen und als wir an der Brücke mit Wasserstelle ankamen, war dort eine weitere Trail Magic. Zwei Frauen im Bus waren sogar über Nacht geblieben, um all die Hiker mit kühlen Getränken und Süßigkeiten zu versorgen. Noch eine Cola getrunken und Black Forest Gummibärchen gegessen und weiter ging es im Backofen der Mojave-Wüste. Um kurz nach 9 Uhr suchten wir uns ein Plätzchen für eine kurze Pause und legten uns hinter einen Busch, der etwas Schatten spendete. Regina hatte es ein wenig am Kreislauf, die Hitze machte ihr zu schaffen.

Nun begann der Anstieg und dieser war zusammen mit der Hitze wirklich ein Kraftakt. Zur Mittagszeit kamen wir im Canyon mit kleinem Flüsschen an und setzten uns in den Schatten. Vorher gab es noch eine Dusche im Fluss. Nach der Mittagspause begann der zweite Anstieg in der Hitze. Es ging den ganzen Tag im Sandkastenberg hoch und runter und kein einziger Schattenplatz. Um 18 Uhr kamen wir an unserer Tentsite und dem Trail-Angel-Platz am höchsten Punkt des Berges an. Hier gab es Stühle, Schirme, Wasser und Orangen. Was für ein toller Platz mit Aussicht auf das Tal und Lancaster. Und die Orangen waren die besten, die wir jemals gegessen haben…

Meilen 22,9

12.5.

Wir hatten so gut geschlafen an dieser Oase und waren bereit für die letzten Meilen des PCT-Abschnitts Südkalifornien. Am Abend zuvor trafen später noch andere Hiker ein, um Rast zu machen. Einer blieb. Wir unterhielten uns noch mit Easy Squeezy und gingen los. Heute ging es zum Glück fast nur bergab und die ersten Meilen waren schnell erledigt. Durch Unwetter wurden hier auch vor Kurzem ganze Wege weggespült und so mussten wir oberhalb laufen. War aber halb so wild, als dass die Kommentare in Farout vermuten ließen.

Zum Frühstück hatten wir die ersten 9 Meilen hinter uns und an dem Picknicktisch hatte ein Trail Angel Wasser und Limonadenpulver hingestellt. Mhh, war das lecker. Wir füllten uns gut auf, denn es folgte der Weg durch die Windfarm und die Sonne knallte immer noch vom Himmel. In der Sonne waren es ca. 41 Grad. Zum Glück waren die Anstiege etwas flacher. Am höchsten Punkt konnte man die Windfarm und die ca. 4.000 Windräder gut betrachten. Sogar neue Windräder wurden mit großen Kränen aufgestellt. Es ging an den letzten Abstieg und die letzten Meilen zum Highway. Dort ließen wir uns abholen nach Tehachapi. Als wir auf unseren Uber-Fahrer warteten, meldete unser Temperaturmesser 47 Grad und bald darauf stieg dieser komplett aus und zeigte nur noch HHH an. Der Fahrer brachte uns ins Hotel und wir gingen erst mal essen und duschen. Am Abend genossen wir noch den Pool und den Whirlpool.

Meilen 17,8

Abschluss Südkalifornien:

Somit haben wir den ersten von fünf Abschnitten geschafft… die Schuhe sind auch durch…

Es ist faszinierend, wie sich der Trail immer wieder abholt, egal ob man schlechte Laune hat, unzufrieden über Entscheidungen ist oder man einfach fertig ist. Man steht auf, läuft los und die Natur und Freiheit holt dich wieder zurück und macht dich glücklich.

Noch mal Danke an alle: Familie, Freunde und Arbeitskollegen, die uns die Reise mit ermöglichen und uns mit den Hochzeitsgeschenken die Reise versüßen. DANKE

Hier eine kleine Diashow vom ersten Abschnitt: Zum Video

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