Richtung Wrightwood

2.5.

Um 6 Uhr schälten wir uns aus den Schlafsäcken und um 7 Uhr waren wir bereits unterwegs. Der Weg war heute recht einfach, ohne allzu viele Steigungen. Am Bergrand entlang folgten wir dem Highway, bis wir am Flutkanal und dem kleinen Elektrizitätswerk ankamen. Von dort aus stiegen wir wieder ein bisschen auf, bis wir den Silverwood Lake erreichten. Den See durften wir etwa zur Hälfte umlaufen. Auf halbem Weg machten wir an einem Picknickplatz mit überdachten Sitzplätzen Mittagspause.

Nach etwa einer Stunde machten wir uns wieder auf den Weg. Nach dem See kam der heutige Anstieg. Zu Reginas Freude war der Weg hier erst frisch ausgebessert worden. Bei 28 °C und Steigung träumten wir uns sämtliche Limonaden der Welt zusammen. Oben angekommen, fuhren tatsächlich gerade zwei SUVs über die Holperpiste. Wir bogen ab und es ging in einem Vogelschutzgebiet wieder abwärts. Es gab zwar keine Limo, dafür löschte ein eiskalter Gebirgsbach kurzzeitig unseren Durst. An der letzten Wasserstelle für heute schlugen wir unser Lager auf. Selten habe ich so viele verschiedene Vögel gehört.

19,6 Meilen

3.5.

Gegen 6 Uhr raus aus dem Schlafsack und gefrühstückt. Wir dachten, der Platz würde voll werden, aber außer uns war niemand da. Im Vogelparadies scheint es mehr Feuchtigkeit zu geben; das Zelt und die Schlafsäcke waren recht klamm. Da die Sonne schon Vollgas gab, zogen wir uns passend an und kleisterten uns mit Sonnenschutz ein. Beim Aufstieg sahen wir dann, dass die Schweden direkt um die Ecke ihr Zelt aufgestellt hatten.

Zwei Meilen später liefen wir direkt in die Wolken hinein, die wir von unten noch bewundert hatten. Dumm nur: In den Wolken fiel die Temperatur von 22 auf 12 °C, begleitet von einem eisigen Wind. Bäh! Ein Vorteil war jedoch, dass die fiesen Abgründe beim Abstieg nicht zu sehen waren. Nach weiteren vier Meilen Abstieg erreichten wir den Highway am Cajon Pass und steuerten den McDonald’s an. Die ganze Zeit hatten wir von Limo geträumt, und jetzt war es fast zu kalt dafür – trotzdem haben wir dreimal nachgefüllt. Ungünstig war auch, dass wir zu früh dran waren und es nur Frühstück gab. Regina schlug das Essen etwas auf den Magen.

Wir saßen mit sechs oder sieben Hikern an den Tischen, als ein Typ vorbeikam und uns ausfragte, ob wir den kompletten Trail planten. Zehn Minuten nachdem er weg war, kam er wieder und stellte eine Tüte auf den Tisch: „Trail Magic“! Die Tüte war voller Süßigkeiten – wir waren wie Kinder vor dem Weihnachtsbaum. Später machten wir uns wieder auf den Weg, über unendlich lange Güterzüge hinweg in Richtung der Ausläufer der Berge. Ich hatte völlig vergessen, wie steil es hier zuging, und der böige Wind nervte gewaltig. Nach einer kurzen Rast an einer Wasserstelle (kurz mal Sonne und kein Wind!) folgte der große Aufstieg. Die letzten fünf Meilen nutzten wir die Dirt Road statt des eigentlichen Trails, da dieser durch Unwetter zu stark beschädigt sein sollte. Die Straße war schon zum Laufen ungemütlich, trotzdem kreuzten mindestens vier „Panzer“ unseren Weg.

20,9 Meilen

4.5.

Am Trailhead am Ende der Dirt Road hatten wir am Vorabend ein nettes Plätzchen gefunden. Der Blick ins Tal war an diesem Morgen durch eine Wolkendecke verhangen. Wieder bei 6 Grad aus dem Schlafsack geschält und weiter. Der Weg führte am Berg entlang, und auch hier hatten wir mit vielen „Washouts“ zu kämpfen. Nach vier Meilen wechselten wir daher wieder auf die Dirt Road. Zudem war durch das Bridge Fire 2024 der komplette Bereich abgebrannt; der Trail war teilweise gar nicht mehr vorhanden. Der ganze Berg war kahl, und verkohlte Bäume lagen überall.

Der Wind wurde immer stärker und ungemütlicher. Als wir das Skigebiet oberhalb von Wrightwood erreichten, sahen wir Arbeiter, die das abgebrannte Holz wegräumten. Auch die Skianlagen hatten einiges abbekommen. An den Ästen der noch stehenden Bäume klebte Eis, das durch den Wind herunterfiel – wir mussten aufpassen, nichts auf den Kopf zu bekommen. Der Eiswind tat im Gesicht richtig weh, und wir waren heilfroh, als wir den Parkplatz am Highway 2 erreichten. Dort wartete schon eine andere Hikerin und versuchte, einen Ride nach Wrightwood zu bekommen. Wir hatten kaum Empfang und konnten die Trail Angel nicht erreichen.

Nach kurzer Zeit waren wir schon sechs Hiker am Parkplatz. Da der Highway 2 gesperrt ist, herrscht kaum Verkehr, aber wir hatten Glück: Ein älteres Paar nahm uns alle in ihrem Pickup mit. Marcel und ein anderer Mann machten es sich auf der Ladefläche gemütlich, während wir vier Frauen uns auf die Rückbank quetschten.

12,4 Meilen

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