Eigentlich sollte es an diesem Morgen zurück auf den Trail gehen, aber Regina konnte schon die ganze Nacht nicht schlafen. Zu sehr arbeitete es in ihr. Die Höhenangst der letzten Wochen spitzte sich immer weiter zu. Mitten in der Nacht weckte sie Marcel, und es brach aus ihr heraus: Sie konnte einfach nicht weiterlaufen. Marcel versuchte sie zu beruhigen, doch auch am Morgen spürte Regina eine tiefe Blockade. Sie kontaktierten Andrea, um ihr abzusagen – sie musste die beiden nicht mehr zum Walker Pass bringen.
Wir verlängerten unseren Aufenthalt im Hotel in Ridgecrest um drei weitere Nächte, in der Hoffnung, dass sich die Blockade lösen würde. Marcel sprach ihr gut zu, erinnerte sie daran, wie souverän sie bisher alles gemeistert hatte und wie stolz er auf sie war. Doch auch nach drei Tagen zeigte sich keine Besserung. Regina sehnte sich nach der Küste, nach Abstand.
Wir packten unsere Sachen und fuhren nach Carpinteria, einem ruhigen Örtchen kurz vor Santa Barbara. Marcel fand dort ein schnuckeliges kleines Hotel, in dem Regina endlich abschalten konnte. Wir besuchten den Strand, der für seine Tar Pits bekannt ist – natürliches Bitumen, das aus unterseeischen Erdölquellen an der Küste austritt. Zudem nutzten wir die Fahrräder des Hotels für einen Ausflug nach Santa Barbara, wo Marcel auch nach neuen Schuhen schauen wollte.
Auf der Rückfahrt besuchten wir noch eine Orchideen Farm, welche direkt an der Strasse lag.
Da die Hotels an der Küste sehr teuer waren, hatte Marcel die Idee, zum Lake Casitas zu fahren. Abseits vom Lärm der Stadt wollten wir dort eine Campsite nehmen. Wir fuhren mit dem Bus nach Ojai und legten das letzte Stück mit dem Uber zurück – Google hatte hier leider unrecht, ein Bus fuhr nicht direkt zum See. Wieder in der Natur zu sein und im Zelt zu schlafen, tat Regina unheimlich gut.
Nach mehreren Tagen des Nachdenkens stand fest: Für den Moment war Regina erst einmal raus. Regina konnte aktuell noch nicht abschätzen, ob später ein Abschnitt in Oregon möglich sein wird, wo der Trail flacher verläuft. Um das Ganze sacken zu lassen, fuhren wir zurück an die Küste nach Ventura, wo die Hotelpreise deutlich angenehmer waren. Für die ersten zwei Nächte buchten wir das historische Pierpont Inn Hotel, das für seine Spukgeschichten bekannt ist.
Nun, da die Entscheidung getroffen war, dass Regina nicht mehr regulär weiter läuft. Machten wir uns Gedanken darüber, wie unser gemeinsames Abenteuer jetzt weitergehen soll.













